Kid Ikarus besaß ein byzantinisches Restaurant und ein langes, fleischiges Gesicht.
Einst mythologisches Schwergewicht in den Reigen der Gameboygöttlichkeiten, 8-Bitter zwar aber immerhin, war er nun nur noch bitter. Mythische Tränen flossen nachts an seinen länglichen Fazialknöchelchen hinab und auch die kleinen Eimerchen, die Agape, seine Göttergattin einst zum Sammeln und Wiederverwerten des Trauersuds darunter parkte, waren längst vergessen und verrostet. Die neue Generation von Restaurantgästen interessierte sich nicht für seine nächtlich hergestellten Energygetränke. Sie wollten nur noch eins: Sie wollten aus der S-Bahn-Station Gesundbrunnen trinken.
In seinen nächtlichen Trauersymposien errang allmählich drastische Idee Gestalt: Er würde die neue Generation überraschen. Musste. Er würde ihnen die Fleischigkeit seiner Wangen anbieten, geröstet und sautiert, Ikarus Mignon, ein Olympenschmaus für’s gemeine Volk, geschnitzt aus den acht Bits die er zu bieten hatte, garniert mit den Röstzwiebeln der Verzweiflung und wenn auch das nicht half, dann schnitt er sich in die negativen Bitbereiche vor, bis er tief in der Datenbank japanischer Entwickler auf Geheimnisse stoßen würde, die, da war er sicher, kulinarisches Harakiri erbaten, es ersehnten, so dass er wenigstens noch irgendwem, längst zu spät, gerecht wurde, seine miserable Restexistenz ansatzweise rechtfertigte und als Arschabwischer auf den Scheissehügel des Olymps zurückgelassen wurde, wo er offensichtlich hingehörte.